Weil sie den Auftrag zu schreiben erhielten, treten am frühesten in der deutschen Mystik zwei Frauen in unser Blickfeld: Hildegard von Bingen (1098-1179) und
Ähnlich wie Hildegard, die, blitzartig vom strahlenden Licht getroffen,
unter dem Zwang einer inneren Stimme angetrieben wird: "Schreibe auf,
was du siehst, und sage, was du hörst!", meldet sich eine Generation
später Mechthild zu Worte. Auch sie gerät, vom göttlichen
Licht überwältigt, in den unausweichlichen Zwang zu schreiben.
Zu ihrem Leidwesen muß sie im Gegensatz zu Hildegard, die nie in direkter
Weise persönliche innere Erfahrungen zur Sprache bringt, von ihrem
»Geheimnis mit Gott« sprechen und »sich selber künden«.
Daher wird ihr Leben als ein Höhepunkt deutscher Mystik bezeichnet.
Ihre Brautmystik wandelt sich zum prophetischen Wort an die Kirche und an
die Welt. Nachdrücklich verweist sie auf die göttliche Urheberschaft
und kennzeichnet dadurch den inspiratorischen Rang ihres Buches, der mit
ihrer eigenen geringen Person nichts zu tun hat: "Mir, einer armseligen
Frau, befahl er, dieses Buch aus Gottes Herzen und Mund zu schreiben".
Auf ihre Fragen und Zweifel, warum gerade sie und nicht »ein gelehrter,
geistlicher Mann« sagte ihr Gott: "Es ist mir vor manchem Professor
der Hl. Schrift, der vor meinen Augen dennoch ein Tor ist, eine große
Ehre und stärkt die heilige Kirche überaus, wenn der ungelehrte
Mund die gelehrte Zunge aus meinem Heiligen Geist belehrt."
Trotz vorhersehbarer Übel, Mißverständnisse, ja möglicher
Anfeindungen und Gewaltsamkeiten, unterzieht Mechthild sich ihrem Schreibauftrag,
sie ist von ihrer Sendung überzeugt und nennt im Vorwort mit unglaublicher
Sicherheit im Blick auf das Lesepublikum den Sinn ihrer Niederschrift: "Dieses
Buch sende ich nun als Boten allen geistlichen Menschen, beiden, den schlechten
und den guten, denn wenn die Säulen fallen, dann kann das Gebäude
nicht überdauern." Zu den fallenden Säulen zählt Mechthild
auch die Domherren, die sie in ihrer gelegentlichen Drastik als "stinkende
Böcke" bezeichnet.
Mit den Sinnen ihrer Seele empfindet Mechthild die transzendentale Region
und versucht, in leidenschaftlicher Bildersprache die Nahtstelle zwischen
irdisch und göttlich, zwischen Immanenz und Transzendenz zu treffen,
wenn sie ausruft: "Herr, ich wollte meiner Seele Herz zerreißen,
um Dich hineinzulegen." Und Gott antwortet: "Du könntest
mir keine linderndere Salbe geben, als wenn ich ohne Unterlaß in deiner
Seele schweben könnte."
Diese Ausschließlichkeit und die himmelstürmende Bewegung ihrer
zu Gott hindrängenden Seele fängt Mechthild im Bild des Tanzes
ein. Sie gibt sich im »Nachtanzen« der Auserwählten nicht
zufrieden, sondern strebt über das normale Maß der Liebe hinaus,
um es ihrem Erlöser-Bräutigam gleichzutun. Sie weiß jedoch,
daß die radikale Christusnachfolge in einer sich selbst hinschenkenden
Liebe aus eigener Kraft nicht möglich ist und ruft aus: "Ich tanze,
Herr, wenn du mich führst. Soll ich sehr springen, mußt du selber
voransingen". Margot Schmidt schreibt dazu (S.21 in "Ich tanze,
wenn du mich führst" Herder, Texte zum Nachdenken Bd.1549 (1988).
Ausgewählt, übersetzt und eingeleitet von Dr. Margot Schmidt,
Eichstätt): "Der Tanz ist in Gestik und Rhytmik der körperliche
Ausdruck der Schwingungen, die als göttliches schöpferisches Prinzip
dem Kosmos eingegeben sind. Diese Schwingungen geschehen in proportionaler
Harmonie. ... Wie die Griechen drücken später die Christen die
Unsagbarkeit der Mysterien im verhüllenden Tanzspiel aus, so daß
der Tanz in seiner sakralen Bedeutung ein Ausdruck des Einsseins zwischen
Gott und Mensch ist." Hierzu fallen mir natürlich auch die tanzenden
Derwische ein.
Die deutsche Mystik ist in erster Linie mit den Namen von
und seinen beiden Schülern Johannes Tauler und Heinrich Seuse verknüpft. Allein das Studium der Texte stößt, vor allem bei Eckhart, auf erhebliche Schwierigkeiten. Liegt es an der scholastischen Denk- und Ausdrucksweise des Dominikaners oder an den schlechten - sicher von Katholiken redigierten - Übersetzungen aus dem Lateinischen und dem Mittelhochdeutschen? War es die Würde des Magister der Theologie aus Paris (1302) oder die Macht der Kirche über Leben und Tod, die zu dieser oft unklaren Ausdrucksweise führten? Selbstverständlich sind Eckharts Gedanken nicht einfach nachvollziehbar, sie gründen auf der inneren Schau des Mystikers, der darum kämpft sie in Worte zu fassen und seine geistigen Erlebnisse verständlich zu machen.
Er mußte sich über viele Anschauungen seiner Zeit und in seiner
Kirche hinwegsetzen obwohl die Bindung an seine Kirche doch sehr stark gewesen
sein muß. Schließlich war er noch nicht vierzigjährig Prior
seines Klosters in Erfurt und Vikar seines Ordens in Thüringen (um
1298). Als Professor der scholastischen Philosophie, die sich um die Verknüpfung
von Vernunft und Glaube bemühte, war er verpflichtet, sich um ein rationales
Verständnis des in der Offenbarung ergangenen Wortes Gottes zu bemühen.
Diese Anschauung beruht offenkundig auf einem ausdrücklichen tiefen
Vertrauen in die natürlichen Erkenntniskräfte des Menschen (Josef
Pieper). Und gerade das trifft auch auf die Mystik zu, wenn ich es auf die
individuelle Erfahrung ohne egoistische Begierden beschränke. Aber
hohe Gelehrsamkeit und echte Mystik gehen eigentlich nicht unter einen Hut.
Eckharts besonderes Schicksal war es, daß ausgerechnet sein eigener
Orden der Dominikaner, sein Ordensgründer auch der Initiator der Inquisition
war, der dann Eckhart selbst zum Opfer fiel. Am 13.2.1327 beteuert er als
Doktor der heiligen Theologie, daß er jeden Glaubensirrtum, auch jede
Sittenverderbnis, die daraus erwachsen könnte, verabscheue: "Wenn
also etwas Irrtümliches in der Glaubens- und Sittenlehre gefunden werden
sollte, das ich geschrieben, gesagt oder gepredigt habe, ...., so widerrufe
ich ausdrücklich .... daß ich von nun an solches für nicht
gesagt und nicht geschrieben haben will, besonders auch, weil ich höre,
daß ich falsch verstanden worden bin." Daraufhin bemüht
sich der Greis nach Avignon, zum Sitz des Papstes und bittet um Rehabilitation.
Im März 1329 erläßt Johannes XXII. seine Verurteilungsbulle
"In agro dominico": "... daß in dieser Zeit einer aus
deutschen Landen, Eckehart mit Namen, und , wie es heißt, Doktor und
Professor der Heiligen Schriften, ..., mehr wissen wollte als nötig
war, .."! Eckhart stirbt. Keiner weiß, ob noch in Avignon oder
bereits zurück in Köln. Datum, Sterbeort und Grab sind unbekannt.
Ist er als Mystiker allein und unbekannt direkt in den Himmel aufgefahren
oder wurde er schlicht und einfach von seinen Ordensbrüdern, den Inquisitoren
umgebracht und verscharrt? Das Ende eines deutschen Mystikers! Papst Johannes
XXII. wurde kurz darauf wegen Hochverrats und Ketzerei abgesetzt. Die Verurteilung
von Eckhart war wohl sein letztes Werk.
hatte Köln schon vor dem Tod seines Meisters verlassen. Aus allen seinen Werken spricht eine starke und innige Anhänglichkeit an Eckhart, den er den seligen, heiligen, hohen Meister nennt und der ihm in nächtlichen Visionen erschien. Sein frühestes Werk, das "Büchlein der Wahrheit", ist ein Versuch, die Lehre Eckharts als rechtgläubig zu interpretieren und gegen Umdeutungen zu sichern. Er mußte sich dafür vor einem Ordensgericht verantworten. Es steht nicht fest, ob er verurteilt wurde und seine beiden Traktate "Buch der Wahrheit" und "Büchlein der ewigen Weisheit", uns nur in einer von der Ordensobrigkeit gekürzten Form überliefert sind.
(um 1300 - 1361) ist ab 1330 wieder in Straßburg als Prediger und Lektor tätig. Er ist Mittelpunkt des Kreises der mystischen Gottesfreunde und hatte Beziehungen zu Heinrich von Nördlingen und dessen geistlichen Freunden. Ein Kaufmann in Straßburg, Rulman Merswin, griff auf die Urlehre vom allgemeinen Priestertum aller Christgläubigen zurück und erklärte, der gottbegnadete Laie, der "Gottesfreund" sei der berufenste Vermittler der himmlischen Gnade. Unter diesem Sammelnamen vereinigten sich alle, denen es um ihr Christentum ernst war, durch nichts verbunden als durch die Lauterkeit ihrer Gesinnung und die Tiefe ihrer Heilssehnsucht.
Das schönste Denkmal aber hat sich der Zeitgeist in dem anonymen
"Büchlein vom vollkommenen Leben" errichtet. Der Verfasser
war Mitglied des Deutschritterordens und zu dieser Zeit Kustos des Deutschherrenhauses
in Frankfurt am Main. Es kam wie alle anderen mystischen Schriften auf den
Index. Es ist Martin Luther zu verdanken, der es mit einem Vorwort versah
und neu herausbrachte, daß es nicht unterging. Es wurde ein Lieblingsbuch
Schopenhauers, der den "Frankforter", wie er ihn nannte, neben
Buddha und Plato stellte.
Zitat aus dem Frankforter: "Wer das Christenleben darum führt,
weil er dadurch etwas erreichen oder verdienen will, der hat es als ein
Löhner und nicht aus Liebe, das heißt: Er hat es überhaupt
nicht. ... Solange der Mensch "sein Bestes" sucht, kann er es
nicht finden. Denn dann sucht er nur sich selber und wähnt, er selber
sei das Beste. Da er aber das Beste nicht ist, so sucht er auch nicht das
Beste, solange er sich sucht. Für den Menschen aber, der das Vollkommene
geschmeckt hat, werden alle geschaffenen Dinge zunichte: er selber eingeschlossen.
... Daß wir uns selber entweichen und unseres Eigenwillens sterben
und nur noch Gott und seinem Willen leben, des helf uns der, der seinem
himmlischen Vater seinen Willen aufgegeben hat, Jesus Christus. ... Hier
endet sich der Frankfurter."
Erstaunlich für mich ist es, daß auch der Protestantismus Mystiker hervorgebracht hat. Sicher aber auch der Beweis, daß Kirche und Mystik praktisch nichts gemeinsam haben. Jakob Böhme (1575 - 1624) wurde als Sohn deutschböhmischer Bauern in der Oberlausitz geboren. Hier und im nahen Sachsen hatte die Lutherkirche ihren totalen Machtanspruch so rigoros durchgesetzt, daß bigotte Willkür mit den übertriebendsten Moralgesetzen jedes geistige freie Leben zu ersticken drohte. Er stand völlig unter dem Einfluß seines tiefreligiösen Vaters, der oft aus der Lutherbibel vorlas und sie mit der Kraft eines einfachen und unverdorbenen Herzens erklärte. Schon als Knabe hatte Jakob seine erste Vision. Da er für die harte Landarbeit zu schwach war, gab ihn der Vater nach Görlitz in die Schuhmacherlehre. Im Jahre 1613 hängte er sein Handwerk an den Nagel und schrieb Tag für Tag an seinem großen Werk der Aurora. Im August 1630 brach dann der Sturm gegen ihn los. Mit seiner Familie im Gottesdienst sitzend wurde er vom Pfarrer von der Kanzel aus als "höllisches Untier", Gotteslästerer und Ausgeburt des Teufels beschimpft. Am nächsten Tag wurde er von den Stadtvätern ausgewiesen und sie ließen ihn erst wieder zurück, als er ihnen seine Aurora ausgeliefert und versprochen hatte, nie mehr etwas zu schreiben. Nach fünf qualvollen Jahren beschloß er "Gott mehr zu gehorchen als den Menschen". Lindenberg schreibt: "Sein äußerliches Leben war nichts als eine Kette von häßlichen, lebensbedrohenden Anwürfen und Verfolgungen durch die evangelische Geistlichkeit seiner Stadt." Aber Jakob Böhme schreibt über seine Erleuchtung: "... ich drang bis ins innerste Wesen durch, und ein wunderbares Licht erstrahlte in meiner Seele. Es war ein Licht, das garnicht zu dem Menschen, der ich gewesen war, paßte. Da erkannte ich zum ersten Mal die wahre Natur Gottes und des Menschen und die Beziehung zwischen ihnen, die ich vorher nicht verstanden hatte."
auch sein Vater war ein überzeugter Protestant - studierte in Breslau, Straßburg und Leyden. Hier befreundet er sich mit dem schlesischen Mystiker Abraham von Franckenberg (1593-1652) und lernt das Ideengut der großen Mystiker von Paracelsus bis Tauler kennen. Vor allem aber Jakob Böhme eröffnet ihm eine neue Welt. Am 9.7.1648 promoviert er in Padua zum Doktor der Philosophie und Medizin. Am 12.6.1653 tritt er in Breslau zur katholischen Kirche über. In der Firmung nimmt er den Namen Angelus an, dem er zur Bezeichnung seiner Heimat Silesius (der Schlesier) hinzufügt. Im Februar 1661 wird er in den 'Orden der minderen Brüder des heiligen Franziskus' aufgenommen und am 21.5.1661 in der Stadt Neiße zum Priester geweiht. Er bleibt bis zu seinem Tod ein leidenschaftlicher Kämpfer für die 'Una sancta'. Damit setzte er sich zwischen alle Stühle und wurde ein Leben lang befeindet und verspottet. Wenn der Sänger des Cherubinischen Wandersmannes und der Heiligen Seelenlust auch noch soviel Unbill und Schmach erlitten hat, so erfährt er auch hierin den unmittelbaren ewigen Anruf, sich mit der höchsten göttlichen Kraft zu identifizieren.
Die deutsche Mystik hat auf jeden Fall mit ihrem Begriff des Entbildetwerdens
die einzige Waffe gegen die Todsünde unseres Jahrhunderts, die Egozentrik
mit ihren Einbildungen geschaffen. Egon Friedell (1878 - 1938) schreibt
hierzu in seiner "Kulturgeschichte der Neuzeit": "Es wird
wohl schon aus diesen dürftigen Proben klargeworden sein, daß
sich in Eckhart und seiner Schule nichts Geringeres vollzogen hat als die
Geburt einer neuen Religion, eine völlige Umschöpfung des bisherigen
christlichen Glaubens. ... Hätte diese Bewegung sich durchgesetzt,
so wäre für Europa ein neues Weltalter angebrochen; sie ist aber
von der Kirche unterdrückt worden, und daß dies so vollständig
gelang, spricht weniger gegen die Kirche, die nur in ganz logischer Wahrung
ihrer Interessen handelte, als gegen die europäische Menschheit, die
offenbar für eine solche grundstürzende Erneuerung noch nicht
reif war." - Und ich bin der Auffassung, sie ist es heute weniger denn
je - oder nicht? Könnte hier nicht dem weit verbreiteten Atheismus
eine neue Dimension gezeigt werden, eine Dimension ins Transzendente? Aber
wer soll das tun?
Die Verfolgung der Mystik ist nicht auf das Mittelalter beschränkt.
Wie das Beispiel Heroldsbach zeigt schrecken auch heutige katholische Kirchenfürsten
und ihre intellektuel-materialistischen Gefolgsleute nicht vor den Methoden
der Inquisition zurück. Es wurde geschrieben, daß der Fall Heroldsbach
der größte Skandal der Kirchengeschichte sei. Als ich davon hörte,
daß die Seherkinder und Ihre geistlichen Beschützer exkomuniziert
wurden, daß man den herbeiströmenden Pilgern den Zutritt zur
Pfarrkirche verwehrte und schließlich den Ortspfarrer Johannes Gailer
(1885 - 1959) aus seiner Stellung verdrängte, beschlich mich ein Grauen
vor dieser Kirche und ich empfand zum zweiten mal Genugtuung darüber,
sie verlassen zu haben.
Die Marienerscheinungen in (91335) Heroldsbach fanden in unregelmäßigen
Abständen statt vom 9.10.1949 bis zum 31.10.1952. Es wurde von gläubigen
Menschen als das deutsche Fatima bezeichnet - auf Grund der Häufigkeit
der Erscheinungen sogar mehr als das. Wer sich eingehend mit der Geschichte
befaßt, muß zu der Überzeugung kommen, daß diese
Erscheinungen - zumindest in den ersten beiden Jahren - echt sein müssen.
Noch heute kann man beim Besuch der Örtlichkeit die Besonderheit spüren.
Daß durch die geradezu verbrecherische Haltung des Bischofsstuhls
in Bamberg die geistige Führung des Geschehens nach der Versetzung
von Pfarrer Gailer in unseriöse Hände fiel und sich zusätzlich
Geschäftsinteressen breit machten, kann schließlich nicht verwundern.
Wichtig ist jedoch, daß trotz aller Represalien und Bestechungsversuche
die Seherkinder - die wohl heute noch leben - alle bis heute nichts widerrufen
haben. Die vier Mädchen waren damals etwa 10 Jahre alt und es ist weit
und breit niemand sichtbar, der sie zu einem Unfug angestiftet haben könnte.
Zum Glück gibt es auch heute noch positive Beispiele in der katholischen Kirche - aber offensichtlich nicht in Deutschland. In Kalabrien wurde 1950 ein Bauernjunge geboren, dem am 11.5.1968 die Jungfrau Maria erschien. Im Gegensatz zu Heroldsbach fand sein Pfarrer Verständnis beim zuständigen Bischof und konnte den Jungen auf seinem weiteren mystischen Weg unterstützen. Da er nicht studiert hat wurde er 1987 in den 3ten Orden der Franziskaner unter dem Namen Fratel Cosimo aufgenommen. Die Pilger strömen in Scharen nach St. Domenika, Aspromonte und es geschehen wöchentlich Wunderheilungen, die vielfach von Ärzten untersucht wurden. Er sagt: "Der Herr hat mir umsonst gegeben und ich gebe umsonst weiter. - Der Herr weiß, welche Aufgabe ich im Leben habe." In einem Interview gefragt, ob der Teufel für ihn konkret sei, antwortete Frater Cosimo: "Den Teufel gibt es, er ist eine reale Person, er existiert."
Abschließend sei noch eine neuzeitliche christliche Mystikerin
erwähnt, Schwester Blandine Merten, geboren am 10.7.1883 in Düppenweiler
/ Saar, Volksschullehrerin. Am 22.4.1908 trat sie in die Kongregation der
Ursulinen von Calvarienberg, Ahrweiler, ein. Im Juni 1911 wurde die Schule
des Ursulinenklosters in Trier ihr Wirkungsort, wo sie nach langer Krankheit,
34 Jahre alt, am 18.5.1918 starb und auf dem Friedhof St. Paulin beigesetzt
wurde. Die Ausstrahlung dieses Grabes hinter der Kirchhofmauer ist von sensitiven
Menschen durch diese Mauer hindurch weit bis auf den Kirchplatz hin spürbar.
Hier einige Sätze aus ihrem Tagebuch: "Ich will den Heiland in
mir sehen und alle Handlungen als von Ihm verrichtet, mich selbst als das
Gewand betrachten, das ihn verbirgt." "Man muß allezeit
glauben an die übergroße Liebe, die im Gottesherzen für
uns schlägt; sie allein bestimmt die Leiden und Opfer, die uns treffen."
Eintragung vom 4.10.1914: "Mein größter Fehler ist die Empfindlichkeit.
... Ich bin empfindlich für alles, was meine Ehre betrifft und habe
neuerdings große Schwierigkeiten im gemeinschaftlichen Leben; ein
trauriges Zeichen dafür, daß Stolz und Eigenliebe noch sehr tätig
und lebendig sind in meinem Innern." Am 5.9.1915 schrieb sie: "Heute
will ich anfangen, so zu leben und alles, was mich betrifft und mir begegnet,
so ausschließlich auf Gott zu beziehen, als ob niemand auf der Welt
wäre außer Gott und mir." - 28.11.1915: "Es ist Zeit
für mich, in die Ewigkeit hineinzuwachsen und jetzt auf Erden zu beginnen,
was ich dort ewig tun soll." Sie hat das nicht nur geschrieben, sie
hat auch danach gelebt.
Denn ich sage euch bei der ewigen Wahrheit,
solange ihr den Willen habt, den Willen Gottes zu erfüllen,
und solange ihr noch Begehren habt nach der Ewigkeit und nach Gott,
solange seid ihr noch gar nicht geistlich arm.
Meister Eckhart 327